Unternehmensporträt
baier & michels GmbH & Co. KG
Unternehmensporträt
Ein Vorreiter bei der Produktion ohne Späne
Die baier & michels GmbH & Co. KG (kurz b&m) schafft schon jetzt etwas, was für viele Mitbewerber noch Zukunftsmusik ist: Gänzlich spanlos fertigt sie kleine rotationssymmetrische Bauteile mit komplexen Geometrien — nicht nur hochpräzise, sondern auch in enorm hohen Taktzahlen. Mit dieser und vielen weiteren Innovationen verbessert das Unternehmen der Würth-Gruppe kontinuierlich das Zusammenspiel aus Qualität, Kosteneffizienz und Ökobilanz in den Baugruppen der produzierenden Industrien.
Dass sich der Mittelständler vom lokalen Schraubenhändler zum führenden Hersteller hochwertiger Funktionsbauteile entwickeln konnte, liegt an seinem lösungsorientierten Ansatz, den er seit 1932 verfolgt: „Oft ist eine Problemstellung beim Kunden der Ursprung für ein neues Produkt. Wenn wir mit Altbewährtem nicht mehr weiterkommen, entwickeln wir etwas Neues und stellen dann häufig fest, dass viele andere potenzielle Kunden dieselbe Herausforderung haben“, sagt Olaf Ambros, Leiter Technik und Entwicklung, und beschreibt damit den Innovationsprozess bei b&m.
Olaf Ambros, Mitglied der Geschäftsleitung | Leiter Technik und Entwicklung & Jana Tischler, Head of Sales New Business
Fertigung in nur einem Zehntel der üblichen Zeit
Dabei entstehen nicht nur neue Produkte, sondern auch revolutionäre Herstellungsverfahren. So lassen sich beispielsweise mit b&m-„ECCO-TEC“ klassische Langdrehteile per Kaltmassivumformung produzieren, die bisher ausschließlich durch Zerspanung hergestellt wurden. Das geht schnell, präzise und ressourceneffizient — ohne dass dabei auch nur ein einziger Span als Abfall anfällt. „Bei unserem kombinierten Umformverfahren nutzen wir sowohl Pressen als auch einen speziellen Walzprozess. Das Verfahren vereint also die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten des Zerspanens mit den Vorteilen der Kaltmassivumformung“, erklärt Ambros. Daraus ergibt sich eine breite Palette von möglichen Konturen. Ein Pluspunkt neben der Vielfalt ist die Geschwindigkeit: Die Herstellung erfolgt acht- bis zehnmal schneller als mit anderen Methoden.
Viele Quellen für neue Ideen
Ideen für weitere Innovationen holt sich das Unternehmen beispielsweise bei Kongressen, auf denen es mit seinen Experten vertreten ist. Obendrein sind die Verantwortlichen innerhalb der Würth-Gruppe hervorragend vernetzt und stehen seit jeher in engem Austausch mit ihren Kunden aus der Industrie. Man stellt aber auch Anlagen für die Forschung an der TU Darmstadt zur Verfügung und bindet deren Studenten über Bachelor- und Masterarbeiten in Entwicklungsprozesse ein. Viele von ihnen bleiben dem Hersteller auch nach ihrem Abschluss treu — schließlich geht es bei b&m um Verbindungen, die halten.
Interview mit Olaf Ambros
Wie baier & michels sich neue Spielräume erschließt, erklären Olaf Ambros und Jana Tischler.
Was war nötig, damit Sie mit b&m-ECCO TEC die Teileproduktion revolutionieren konnten?
Olaf Ambros: Bis wir so weit waren, dass wir mit dem b&m-ECCO-TEC-Verfahren spanlos Drehteile herstellen konnten, vergingen Jahre. Bevor wir dann bewiesen haben, dass eine spanlose Produktion von Präzisionsteilen möglich ist — also etwa Kolbenstangen, Stellspindeln oder Antriebswellen -, war das in unserer Branche undenkbar. Wir haben damit Neuland betreten und sind bis heute das einzige Unternehmen, das das in diesem Umfang anbieten kann. Ohne die finanzielle Unterstützung aus der Würth-Gruppe wäre das nicht möglich gewesen.
Warum hat sich der Aufwand gelohnt?
Jana Tischler: Wir stellen Massenprodukte her. Das sind kleine und auch größere Teile, die von unseren Maschinen millionenfach produziert werden und einen vergleichsweise geringen Wert haben. Das bedeutet aber nicht, dass sie unwichtig sind. Im Gegenteil: Oft erfüllen sie eine entscheidende Sicherheitsfunktion, zum Beispiel, wenn es sich um eine Schraube handelt, die im Auto den Sicherheitsgurt festhält. Je besser unsere Maschinen, desto besser die Produkte, die sie herstellen.
„Durch Kaltumformung Drehteile herstellen? Das war in unserer Branche undenkbar.“
Olaf Ambros, Mitglied der Geschäftsleitung + Leiter Technik und Entwicklung
Trotz des Erfolgs ruhen Sie sich nicht auf den Lorbeeren aus. Was ist das nächste Ziel?
Olaf Ambros: Im Würth-Konzern gilt: „Erfolg verleiht neue Freiheitsgrade.“ Davon profitieren wir sehr. So haben wir jüngst die Gelegenheit genutzt, die b&m-ECCO-TEC-Fertigungstechnologie weiterzuentwickeln und sie mit einem selbstlernenden Regelungssystem auszustatten. Das wird unseren Spielraum noch einmal massiv erweitern: Wir können dann noch größere und komplexere Bauteile herstellen — und das mit noch mehr Präzision.
Welche Rolle spielt dabei der Standort Deutschland?
Jana Tischler: Wir betreiben zwar acht Standorte weltweit, aber die innovativste Entwicklung findet derzeit in Deutschland statt. Aktuell investieren wir in die b&m-ECCO-TEC-Fertigungstechnologie, mit der wir rund um den Globus einzigartig sind, rund 20 Mio. Euro an unserem Standort Ober-Ramstadt bei Darmstadt. Damit widersetzen wir uns dem Trend, Werke ins Ausland zu verlagern. Wir sind davon überzeugt, dass das der richtige Weg ist.